Schule/Kirche

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Heinrich Seling, ein Gesmolder Junge


Heinrich Seing wurde 1843 in Gesmold geboren. Er wohnte fast mitten im kleinen Ort Gesmold. Als er 1850 zur Schule kam, war sein Schulweg nur etwa 150 Meter weit. Zwischen der Kirche und der Femlinde, dem Dorfmittelpunkt, lag die sogenannte Küsterschule. Es war eine einklassige Schule, deren Lehrer in der Regel auch Küster des Ortes waren.


Kurze Wege verbanden die Kirche,
die Schule und das Elternhaus miteinander.

Immerhin besuchten kurz nach 1800 schon 130 Kinder diese Schule. Diese Küsterschule ist 1819 erbaut worden. Die Kinder gingen morgens von 8 Uhr bis 12 Uhr und alternativ nachmittags von 1 Uhr bis 4 Uhr zum Unterricht.

Von 1844 bis 1882 war Wilhelm Friedrich Meyer Schulmeister in Gesmold. Er wurde 1808 in Osnabrück geboren und starb 1882 durch einen Schlaganfall in Gesmold. Er hatte 1840 Anna Elisabeth Nieweg aus Wennigsen, die Tochter des damaligen Gesmolder Küsters, geheiratet. Das Paar hatte neun Kinder, die Tochter Klara Maria heiratete später ihren Klassenkameraden, den Bildhauer Heinrich Seling. Der Lehrer wohnte damals im Schulhaus/Küsterhaus.


Die Küsterschule zwischen Kirche und Dorflinde.
Heute ist dort ein freier Dorfplatz.
Die Küsterschule wurde 1977 abgebrochen. (2 Bilder)

Zum Schulunterricht gehörte natürlich der regelmäßige Kirchgang. Der Lehrer war, wie auch in diesem Falle, in der Regel auch der Küster und Orgelspieler. Neben dem Elternhaus wurden die Kinder damals mehr als heute durch den Lehrer und Pastor geprägt.


Pastor in Gesmold war Johannes Matthias Schürmann. Er war vorher als Professor am Carolinum in Osnabrück angestellt gewesen und danach sieben Jahre als Vikar in Gesmold tätig. Als Pfarrer leitete der die Kirchengemeinde Gesmold von 1828 bis zu seinem Tode 1866. Ihm folgte Johann Heinrich Ferdinand Hüdepohl 1866.


Die Gesmolder Kirche war, als Heinrich Seling geboren wurde, gerade sieben Jahre alt und noch unvollständig ausgerüstet. Man hatte den Altar aus der alten Kirche übernommen, obwohl er schon in die Jahre gekommen war. So wuchs Heinrich Seling im Elternhaus eines Zimmermannes neben einer unvollendeten aber vom Baustil her betrachtet, einmaligen Kirche auf.


Die 1836 fertig gestellte Kirche St. Petrus
zu den Ketten im Jahr 2016

Vielleicht war das vom Vater vorgegebene Interesse am Werkstoff Holz aber auch die Gestaltungsmöglichkeit mit Stein der Beginn einer erfolgreichen Karriere eines christlich geprägten einfachen Mannes aus dem kleinen Dorf Gesmold.


Die Beurteilungen des Lehrers und Pfarrers aus Anlass des Stipendiumsantrages zeigen auf, dass er ein allseits geschätzter Junge war. Die drei Beurteilungen jetzt im Wortlaut:



Balthasar Heinrich Seling, geboren zu Gesmold bei Melle am 10. März 1843, ehelicher Sohn des Tischlers und Neubauers Balthasar Konrad Seling und Maria Elisabeth geborene Kruse hat sich bisher gut und musterhaft in aller Hinsicht aufgeführt, welches ich der Wahrheit gemäß unter Beidrückung des Kirchensiegels bescheinige.

Gesmold, 7. März 1862. Schürmann Pastor



Es wird dem Heinrich Seling aus Gesmold hiermit attestiert, dass derselbe sich in jeder beziehung hier in Gesmold gut und redlich aufgeführt hat.

Wennigsen, den 6.März 1862 Kalmer
Gesamtvorsteher (der Samtgemeinde Gesmold)



Heinrich Seling, Sohn des Zimmermanns Bals Seling dahier, hat sich als Schüler und als Jüngling stets so aufgeführt, dass er diesen als jenen zum Muster der Nachahmung dienen kann.

Gesmold, 4. März 1862
W. Meyer
Küster und Lehrer