Die Reisen des Bildhauers Seling

Reisen in damaliger Zeit waren beschwerlich. Um nach Rom zu kommen, kann man heute vom Flugplatz Münster/ Osnabrück in wenigen Stunden hinfliegen. Alternativ dazu fahren schnelle Züge in die Vatikanstadt Rom. Auch das Auto ist eine Alternative, da die Alpen mit Tunneln durchlöchert sind.

Zu Zeiten Selings gab es diese Alternativen nicht. Die wirtschaftlichste Lösung war eine tagelange Fahrt mit der Eisenbahn oder mit der Postkutsche.


Münster, Hannover und München

Aus heutiger Sicht war eine Fahrt zu seinen Lehrstätten Münster und Hannover schon eine Anstrengung. So war eine Fahrt nach München, seinem späteren Studienort, wahrscheinlich eine große Kraftanstrengung. Der Zug benötigte zum Vergleich um 1860 für die 570 km lange Strecke von Berlin nach Köln etwa 16 Stunden, heute ist die Strecke in 4 Stunden bewältigt. Von Osnabrück bis München sind es etwa 700 km, das dürfte dann eine Fahrzeit von mindestens 20 Stunden bedeutet haben und das nicht im modernen ICE mit Schlafsesselausstattung.

Wir haben keine Erkenntnisse, wie häufig er seine Eltern in Gesmold besucht haben wird. Hier konnte er den Bahnhof Melle nutzen, gut 7 km vom Elternhaus entfernt.

Die Bahnlinie Osnabrück/ Löhne gab es schon seit 1855, sie führte durch Westerhausen, ein Bahnhof und damit ein Zughalt wurde aber erst 1879 angelegt. Die Strecke von Münster über Papenburg wurde auch 1855 eröffnet.


Rom

Nach dem Studium in München erfolgte der fast zweijährige Aufenthalt Selings bei seinem Meister Wilhelm Achtermann in Rom. Die Entfernung: 1500 Kilometer. Mit dem Auto kann man die Strecke heute in 15 Stunden bewältigen, mit dem Zug benötigt man 17 Stunden. Damals vor 150 Jahren musste man wahrscheinlich eine tagelange Reise in Kauf nehmen.


Romreise 1870

Nachlesen kann man, dass Heinrich Seling nach seiner Lehr- und Studienzeit öfter mit dem jeweiligen Bischof von Osnabrück die Vatikanstadt Rom aufgesucht hat. Wenn er sich dort fast zwei Jahre bei Herrn Achtermann aufgehalten hat, wird er sich Kenntnisse der italienischen Sprache angeeignet haben. Als Künstler und Bildhauer hat er sich für die Kunstwerke Roms interessiert und kannte entsprechende Leute. Auch wird er gern seinen Lehrmeister besucht haben.

So ist es nicht verwunderlich, dass er den Osnabrücker Bischof Heinrich Beckmann schon 1870 begleitete, als er zu seinem Chef, dem Pabst, nach Rom reiste und am 1. Vatikanischen Konzil teilnahm. Hier wurde das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma am 18. Juli 1870 beschlossen. Bischof Johannes Heinrich Beckmann war Bischof in Osnabrück von 1866 bis 1878. Er war von seinem Vorgänger, dem Kölner Erzbischof Paulus Melchers 1866 zum Bischof geweiht worden. In Rom wird Heinrich Seling Paulus Melchers kennengelernt haben.


Italienreisen

Heinrich Seling unternahm weitere Studienreisen nach Venedig, Florenz und erneut nach Rom, wo er reiche Anregungen erhielt. (Historismus im Bistum Osnabrück Hrsg. Klaus Niehr 2014 Seite 52, Emil Schoppmann und Osnabrücker Mitteilungen Nr. 81, Hans-Gerd Rabe)


Romreisen 1882 - 1898

Bischof Bernhard Höting unternahm zwischen 1882 und 1898 drei Pilgerfahrten nach Rom. Sein ständiger Begleiter war der mit ihm freundschaftlich verbundene Bildhauer Heinrich Seling.

Weitere Informationen zu den Fahrten Heinrich Seling mit den Osnabrücker Bischöfen nach Rom müssen noch erarbeitet werden.


Arbeitsreisen

Heinrich Seling arbeitete für Kirchen zwischen Neumünster und Köln. Viele dieser Orte wird er persönlich besucht haben. Kurze Wege könnte er mit der Kutsche/ Postkutsche absolviert haben. Die Eisenbahn wird aber eine große Rolle gespielt haben.

Bekannt ist, dass er sich häufiger In Papenburg aufgehalten hat. Papenburg war gut erreichbar über die Emslandlinie. Wie heute noch konnte er von Osnabrück nach Rheine fahren, dort umsteigen und den Zug nach Papenburg nehmen.

Interessant zu wissen ist es, wie er seine Objekte transportiert hat. Die Eisenbahn war von Anfang an sehr auf den Güterverkehr eingestellt. Man hatte da aber das Problem, dass man das Material zum Bahnhof fahren musste und vom Zielbahnhof es wieder auf Wagen umladen musste.

Hier muss noch recherchiert werden.

 

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Eisenbahnlinien Da deutsche Eisenbahnnetz in den Anfängen um 1850
Schon 1861 gab es ein relativ dichtes Eisenbahnnetz
in Deutschland, hier eine Karte aus dem Jahr 1861