Briefverkehr

Osnabrück d. 4. Feb. 1892


An den Kirchenvorstand in Gesmold .

Bezüglich der Rechnung des Maurermeisters Vresting den Marienaltar in der dortigen Kirche betreffend, habe ich auf Ansuchen bei der Bischöflichen Behörde, die schriftlichen Verhandlungen über die Herstellung dieses Altares einsehen können. Es fand sich ein Schreiben des Kirchenvorstandes vom 8. Mai 1855, unterzeichnet von dem damaligen Vorsitzenden Herrn Ostendarp, worin die Genehmi- gung zur Änderung des Altares, soweit dieselbe nothwendig sei, um denselben am 22. Juni d. J. consecriren zu können, nachgesucht wird. In diesem Schreiben ist bemerkt, daß ich beauf- tragt bin, die Zeichnung vorzulegen, und die nothwendigen Erläuterungen zu geben. Am 1. Juni 1885 habe ich schriftlich die Erläuterungen eingereicht, und ist darauf am 2. Juni d. J. die Genehmigung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs erfolgt, welche sich jedenfalls in dem dortigen Archiv vorfinden wird. Hieraus ergiebt sich zur Genüge, daß ich nicht willkürlich Vresting Anweisung zur Herstellung Mauerwerkes gegeben habe, und ersuche ich daher, durch die Bischöfliche Behörde entscheiden zu lassen, wer zur Zahlung der Rechnung ver- pflichtet ist, der Kirchenvorstand, oder ich. Man glaubte damals, daß zur Schenkung dieser Ausgaben jemand bereit sein würde, und sind mit demselben Verhandlungen geführt, welche ohne Erfolg geblieben sind.

Ich habe indeß mit keinem Worte gesagt, weder mündlich noch schriftlich, daß ich diese Ausgaben decken wolle, und bin daher ohne jegliche Verpflichtung.

Meine Ausgaben für das Steinwerk des Altares betragen etwa 200 Mark, und hätte ich dieselben dem Kirchenvorstande in Rechnung bringen können, und der Kirchenvorstand würde nicht in der Lage gewesen sein, meine F orderung zu (.....).

Noch andere Ausgaben für Wachstuch Unterlagen für Kligwinnkasten zu den 3 Altären hätte ich, abgesehen von meinen persönlichen Arbeiten und Bemühungen noch in Rechnung bringen können, da nicht ich, sondern der Kirchenvorstand diese Dinge zu schaffen verpflichtet war.

Dem Maurermeister Vresting habe ich mitgetheilt, daß nicht ich, sondern der Kirchenvorstand verpflichtet sei, seine Forderung zu begleichen.

Seling Bildhauer

 
Briefverkehr Heinrich Seling studierte in München und setzte seine
Ausbildung in den Jahren 1867 und 1868 bei Bildhauer
Achtermann in Rom fort. Es folgte, nachdem Heinrich
Seling wieder in Osnabrück war und dort eine
Bildhauerwerkstatt eröffnet hatte, ein Briefwechsel.
Hier ein Brief von Herrn Achtermann an Heinrich Seling
Briefverkehr Hier ein Brief von Herrn Achtermann an Heinrich Seling
Briefverkehr Visitenkarten gehören heute zu jedem Geschäftsmann.
Um die Jahrhuntwende verwendete Heinrich Seling
auch schon diese Karte, um sich in Erinnerung zu bringen.
 

Brief von Heinrich Seling an die Kirchengemeinde Papenburg St. Michael

Eine neue Kirche sollte in Papenburg Obenende gebaut werden. Nach einer langen Suche wurde nicht der Architekt Behnes, sondern der Architekt Wucherpfennig mit knapper Mehrheit bestimmt. Man war dann aber nicht gewillt ihn zu benennen, sondern der Architekt Plaßmann aus Münster kam ins Spiel.

Man fragte beim Bildhauer Seling aus Osnabrück um Rat, noch war ausreichend Zeit für einen Wechsel. In einem Antwortschreiben vom 12. Februar 1907 teilte Heinrich Seling den Papenburgern folgendes mit:

Lieber Herr Dechant!

Indem ich hieranbei das Projekt von Wucherpfennig zurückschicke bemerke ich, dass ich ganz entschieden abraten muss nach diesem Projekte zu bauen. Ich habe dieselben auch einem anderen namhaften Sachverständigen vorgelegt, der aber hat sich ganz entschieden gegen die Ausführung des Projektes ausgesprochen. Es war meine Absicht, das Projekt auch bekannten Sachverständigen in Köln vorzulegen, da ich aber meine beabsichtigte Reise habe verschieben müssen, ist es bis jetzt nicht möglich gewesen. Das Projekt ist modern romanisch, man sieht sofort, dass der Verfertiger kein Verständnis hat für diesen Stil. Wenn ich mal nach Papenburg komme, werde ich dieses mein Urteil näher begründen.

Als Freund rate ich ganz entschieden ab, auf dieses Projekt zurückzukommen. Es entsteht jetzt die Frage, wie Sie am besten weiterkommen, und ich glaube, dass Sie mit dem bereits beschrittenen Wege durch die Anknüpfung mit Plaßmann Ihr Ziel erreichen werden. Ich setze voraus, dass Plaßmann das Projekt durch den Architekten Becker in Mainz wird anfertigen lassen, so wie es in Lingen, Oesede, Neuenkirchen in Oldenburg geschehen ist. Jedenfalls glaube ich nicht, dass Plaßmann selbst ein brauchbares Projekt machen kann, wenngleich derselbe sehr geeignet ist für die praktische Ausführung des Baues. Becker in Mainz ist ein tüchtiger Mann und wenn Sie demnächst das Projekt durch Plaßmann erhalten, wird es sehr leicht zu sehen sein, ob Becker der Urheber ist.

Ich habe jetzt nur ganz kurz meine Meinung geschrieben, ich bin indes ja jeder Zeit bereit durch Rat behilflich zu sein so viel es mir möglich ist. Selbstverständlich werden Sie diese Mitteilungen vertraulich behandeln. Alle Projekte, die ich bis jetzt von Becker in Mainz gesehen, haben mir sehr gefallen.

Mit den herzlichsten Grüßen

Ihr ergebenster Seling

 
Briefverkehr Schreiben als Antwort auf den Stipendiumsantrag des
Vaters des Bildhauers Heinrich Seling.
(Rep350GröNr.514) Staatsarchiv Osnabrück
Briefverkehr Schreiben als Antwort auf den Stipendiumsantrag des
Vaters des Bildhauers Heinrich Seling.
(Rep350GröNr.514) Staatsarchiv Osnabrück