Bildhauer seiner Zeit

Bildhauer im Osnabrücker Land und im Emsland zu Zeiten Selings

Heinrich Seling (1843 in Gesmold – 1912in Osnabrück) war ein Osnabrücker Bildhauer. Er richtete im Bistum Osnabrück zwischen 1868 und 1912 viele Kirchen ein. Seine Werke sind im Norden bis Neumünster und im Süden bis Köln verbreitet. Auch die Neueinrichtung des Osnabrücker Domes gehört zu seinen Arbeiten Andere Bildhauer und Künstler schufen während der Zeit auch viele Kunstwerke. Sie arbeiteten teilweise parallel in der gleichen Kirche oder sie werden sich teilweise gekannt haben. Seine Werkstatt wurde 1914 von Jakob Holtmann übernommen.

Im nachfolgenden ein paar Künstler seiner Zeit:

Jakob Holtmann (1863 in Winnekendonk - 1935 in Osnabrück) war ein deutscher Bildhauer.

Nach einer Schreinerlehre in Emmerich arbeitete Holtmann zunächst in Köln, Berlin und München. In der bayerischen Hauptstadt besuchte er die Kunstgewerbeschule bei Anton Hess und die Kunstakademie bei Josef Eberle, in dessen Bildhauerschule an der Münchner Akademie sich Holtmann am 11. Oktober 1888 einschrieb.

Holtmann wurde später mit dem Staatspreis der Akademie ausgezeichnet. Nach weiteren Jahren bei Professor Philipp Perron in München und dem Denkmalplastiker Wilhelm Albermann in Köln ließ sich Holtmann um 1892 in Kevelaer nieder. Studienreisen führten ihn durch Deutschland, nach Paris, Reims und Straßburg. Die erste Arbeit in Kevelaer war die Erneuerung der Stuckdekorationen in der Gnadenkapelle (Arabesken, Fruchtgirlanden). Er baute an der Ecke Gelderner Straße/Antoniusstr. 2 ein Eckhaus. Hier wohnte er inmitten der Kolonie anderer Kevelaerer Künstler. Drei Jahre lang unternahm er Studienreisen nach München und Italien, wo er antike Kunst studierte. Von 1912 bis 1914 war Josef Picker sein Schüler.

Nach dem Tod des Osnabrücker Dombildhauers Heinrich Seling kam Holtmann 1914 auf Initiative des späteren Erzbischofs Hermann Wilhelm Berning nach Osnabrück. Dort übernahm er die Werkstatt des Bildhauers Seling, die sich in der dortigen Herderstr. 4 befand. In Holtmanns Atelier waren um 1925 etwa 15 Personen beschäftigt, darunter Schnitzer, Ornamentierer, Maler und Tischler. Seine letzten 20 Lebensjahre verbrachte er in Osnabrück. Eine seiner bedeutendsten Arbeiten ist die Weihnachtskrippe des Osnabrücker Domes (1919-1929).

Peter Lingens: Der Bildhauer Jakob Holtmann (1863-1935). In: Unsere Heimat. Blätter des Vereins für Heimatschutz und Museumsförderung e.V. Kevelaer, 88 (1997). Teil 1 in Nr. 2, S. 65-66; Teil 2 in Nr. 3, S. 69–71.

Josef Picker (1895 in Füchtorf – 1984 in Delbrück) war ein deutscher Bildhauer und Steinmetz

Er erlernte er nach seiner Schulzeit die Grundlagen der Bildhauerei bei Jakob Holtmann in Kevelaer. Schon 1914, Jakob Holtmann wechselte zur Werkstatt des verstorbenen Bildhauers Heinrich Seling nach Osnabrück, schloss er sich dem Gesellenverein an und ging nach dem Ende des Krieges, in dem er eine Gasvergiftung erlitten hatte, auf eine längere Wanderschaft. Diese führte ihn auch nach Regensburg, wo er bei dem damals sehr bekannten Bildhauer Prof. Maximilian Roider seine Kenntnisse erweitern konnte.

Zurückgekehrt nach Füchtorf, wohnte er wieder bei seinen Eltern auf dem Bauernhof und begann in der Futterküche, in der das Futter für die Tiere zubereitet wurde, mit dem Schnitzen. Aufgrund seiner tief verwurzelten Frömmigkeit und seinem Gelübde, dass er nach seiner Gasvergiftung abgelegt hatte, widmete er sich überwiegend religiösen Themen, wobei er in den ersten Jahren vor allem Wegekreuze, Madonnen und auch Weihnachtskrippen gestaltete.

Diese Wegkreuze, darunter auch das ehemalige, aus Holz gestaltete Friedhofskreuz und einige große Hofkreuze stehen auch heute noch in Füchtorf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte er seine Werkstatt zu seinem Bruder August nach Freckenhorst, wo er schon bald Kontakt mit Prof. Guntermann, dem Leiter der Werkkunstschule in Münster, bekam. In dieser Zeit schuf er sein bedeutendstes Kunstwerk, das neue Gnadenbild für das Kloster Vinnenberg, das 1952 nach einer Petition von Bischof Michael Keller vom Vatikan als offizielles Gnadenbild anerkannt wurde.

Durch Wegebilder und Hofkreuze wurde er in Westfalen und darüber hinaus bekannt. An seinen Geburtsort in Füchtorf wurde in einer Ausstellung im August 2014 geehrt.



Georg Hörnschemeyer 1907 in Hollage -1983 in Osnabrück) war ein Osnabrücker Bildhauer.

Nach der Schulausbildung erlernte er von 1921 bis 1925 das Bildhauerhandwerk bei Jakob Holtmann, der als Dombildhauer am Dom St. Peter in Osnabrück tätig war. Nach mehrjähriger Wanderzeit studierte Hörnschemeyer an der Akademie der Bildenden Künste München. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließ er sich in Osnabrück nieder. Er heiratete Maria Caesmann (geb. 1923), die 1971 starb.

Hörnschemeyer starb 1983 im Alter von 76 Jahren. Er wurde auf dem Alten Friedhof in Bad Iburg beigesetzt. Dort befand sich bereits das Grab seiner Frau Maria und weiterer Mitglieder der Familie seiner Frau. Für die Familiengrabstätte hatte Hörnschemeyer den Grabstein gestaltet.

Zu seinen Werken gehören mehrere Weihnachtskrippen aber z. B. auch der Schäferbrunnen auf dem Rosenplatz in Osnabrück.



Walter Mellmann (1910 in Osnabrück - 2001 in Osnabrück) war ein deutscher Bildhauer und Grafiker. Sein Bruder war der Grafiker Heinz Mellmann.

Walter Mellmann begann nach dem Besuch der Mittelschule 1926 eine Ausbildung als Bildhauer bei Jakob Holtmann, dem Osnabrücker Dombildhauer. Bei ihm war er anschließend als Geselle tätig. Ab 1932 besuchte er die Werkkunstschule Aachen. Anschließend ließ er sich als Bildhauer mit eigenem Atelier in Osnabrück nieder. 1935 beteiligte er sich zusammen mit anderen Künstlern wie Fritz Szalinski und Theodor Doebner an der „Osnabrücker Kunstschau. Verantwortungsbewusste Künstler stellen aus“, veranstaltet vom Dürerbund, der NS-Kulturgemeinde und der Organisation KdF. Als er aus dem Zweiten Weltkrieg nach Osnabrück zurückkehrte, waren Wohnung und Atelier zerstört. Er ließ sich vorübergehend in Oesede im Landkreis Osnabrück nieder.

Ab 1952 lebte und arbeitete Mellmann wieder in Osnabrück. 1968 veröffentlichte er das Buch Ton in meiner Hand, das bis 1985 zehn Auflagen hatte. Es wurde 1972 auch ins Französische übersetzt.



Lukas Memken ( 1862 - 1934 in Osnabrück), ein deutscher Bildhauer

Lukas Memken war der Sohn eines Heuermanns in Herßum. In Deutschland prallten im Kulturkampf konservative und liberale Weltanschauungen aufeinander.

Lukas Memken war eine bildhauerische Begabung. Das war deutlich erkennbar. Und der katholische Priester zeigte seinem Zögling die Kunstwerke der Jöllemanns, die von Quakenbrück einst ihre Werkstatt nach Holte verlegt hatten. Lukas staunte nicht wenig über die feinen Feinheiten der Schnitzkunst. Endlich willigten die Eltern ein: 1877 begann Lukas Memken eine Bildhauerlehre in Münster. Er lernte beim bekannten Bildhauer Fritz Ewertz (1860-1926).

1888 richtete der frische Meister Lukas Memken an der Osnabrücker Johannisstraße seine erste Werkstatt ein. Sie wurde später in die nahe gelegene Pfaffenstraße/Ecke Holtstraße verlegt. Von hier aus versorgte Lukas Memken bis zu seinem Tod am 12. Juni 1934 die Kirchen und Kapellen des Bistums Osnabrück und seiner Nachbargebiete mit Kunstwerken. Für St. Johann und Herz Jesu in Osnabrück schuf er eine Kanzel und Seitenaltäre. Die Pieta in St. Johann soll seiner Frau ähnlich sehen. Hochaltäre entwarf Memken für die Kirchen St. Martinus in Haren, St. Alexander in Bawinkel und St. Peter und Paul in Oesede.

Memken erhielt den Auftrag, den stark angegriffenen mittelalterlichen „Löwenpudel“ vor dem Dom durch eine Replik aus Ibbenbürener Sandstein zu ersetzen. Das Original ging ans Kulturgeschichtliche Museum. Seit 1865 war der Sockel des für Osnabrück wichtigen Löwenpudels vor dem Dom leer gewesen, weil die Figur verloren war. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Kanzel der Kirche in Oesede und große Teile der Ausstattung der Osnabrücker Johanniskirche.



Heinrich Pohlmann (1839 in Scheventorf bei Iburg - 1917 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer, der als ein Vertreter der Berliner Bildhauerschule gilt.

Heinrich Pohlmann wuchs heran als Sohn eines Bauern. Während seiner Zimmermannslehre fiel einem Adjutanten des Königs von Hannover Pohlmanns Talent bei der Anfertigung von Schnitzereien auf. Er verhalf Pohlmann zu einer Förderung, die diesem von April 1861 bis Ende 1864 den Besuch der Akademie der Künste in Berlin ermöglichte. Hier wurde er Schüler von Fritz Schaper und Albert Wolff. Gefördert durch ein Stipendium des Königs von Hannover konnte Pohlmann 1866 eine Studienreise nach Italien antreten.

Zurück aus Italien machte er sich 1867 in Berlin als Plastiker selbständig und erhielt 1870 den kaiserlichen Auftrag zu einer Reiterstatuette Wilhelms I, die diesem von der Kaiserin Augusta im März 1871 geschenkt wurde. Weitere öffentliche Aufträge für Denkmäler und Bauplastiken folgten sowie zahlreiche für Porträts und Grabplastiken. Insbesondere die Grabplastiken fanden, vervielfältigt nach dem neuen Verfahren der Galvano-Technik, weite Verbreitung. In Osnabrück schuf er u.a. 1881 das Stüve-Denkmal.



Anton Rüller (1864 in Ascheberg - 1936 in Münster) war ein deutscher Bildhauer.

Rüller ist vor allem durch seine Büsten der Annette von Droste-Hülshoff und verschiedene Figuren an Kirchen in und um Münster bekannt.

Er lernte in der Werkstatt des Münsteraner Bildhauers Heinrich Fleige. Nach dessen Tod 1890 übernahm Rüller die Werkstatt und entwickelte einen eigenen Stil, vor allem auf dem Gebiet der Porträtbildhauerei. In den folgenden Jahrzehnten schuf er zahlreiche öffentliche Denkmäler und Sakralfiguren sowie private Grabanlagen. Rüller lehrte später an der Kunstschule Münster und unterrichtete unter anderem die Goldschmiedin Ursula Bach-Wild. Er schuf u.a. neugotische Gewändefiguren am Westportal der Überwasserkirche in Münster (1903)



Heinrich Weltring (1847 in Baccum – 1917 Baccum).

Er wuchs in sehr schwierigen Verhältnissen auf, seine Eltern starben beide früh. Der Pastor aus Platlünne vermittelte ihm beim Bildhauer Heinrich Seling eine Lehrstelle, die er von 1870 – 1874 absolvierte. Er ging nach der Lehre nach Berlin. Hier stellte er u.a. aus Buntsandstein Heiligenfiguren für den Halberstädter Dom her. Er nahm dann ein Studium an der Königlichen Akademie der Künste auf.

Um 1879 zog er nach Karlsruhe, wo ihm Wilhelm Lorenz viele große Aufträge vermittelte.

Im Jahre 1908 kehrte er in seine Heimatgemeinde zurück. Spätere Werke haben eine lokale Bedeutung. Das letzte Kunstwerk Weltrings war eine Krippe aus Sandstein für die Thuiner Dorfkirche. Er starb am 24. Mai 1917



Emil Jung (1882 in Osnabrück – 1952 in Osnabrück)

Nach seinem Schulbesuch trat er 1896 bei Heinrich Seling die Lehre an. Er arbeitete bereits als Lehrling und Geselle mit am Hochaltar des Domes in Osnabrück, an den Chorschranken, am Chorgestühl und an der Taufkapelle des Doms. Heinrich Seling überlieferte ihm die Ehrfurcht vor der mittelalterlichen Bildnerwelt, so heißt es in Aufzeichnungen. Er setzte die Tradition fort.

Nach seiner Gesellenprüfung ging er auf Wanderschaft durch West- und Süddeutschland. Er lernte die Kathedralplastiken der süddeutschen Kirchen, wie etwa Bamberg, kennen.

Er studierte mehrere Semester an der Kunstakademie in München. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehören die Ornamentik der St.- Josephs- Kirche und der Taufstein in der katholischen Kirche in Eversburg. Er hatte seine Werkstatt in der Johannisstraße in Osnabrück. Diese Werkstatt wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Zu seinen Schülern gehörte der spätere Professor Helmut Gressiker und Bildhauer Hans-Gerd Ruwe. Er starb 1952



Niehaus soll Lehrling bei Heinrich Seling gewesen sein. Er soll später Altäre und Plastiken für Kirchen in Hameln und Hamburg hergestellt haben.

Wibchen soll ein Lehrling bei Heinrich Seling gewesen sein. Er wohnte in Clusorth Bramhar.